Ist es gefährlich die Welt zu bereisen?

Terroranschläge und Selbstmordattacken geben den Anschein, dass es gefährlich ist die Welt zu bereisen. Das Risiko Opfer eines Terrorangriffes zu sein ist so gering, wie zu Hause vom Blitz getroffen zu werden. Statistiken zeigen auch, dass mehr Menschen im Badezimmer sterben, weil sie ausrutschen als durch Terroristen. Die Medien berichten immer nur von den schlechten Seiten eines Landes, wenn Kriege und Konflikte herrschen. Von den wunderschönen Seiten wird nur selten berichtet. Es liegt in der Natur des Menschen: Negative Nachrichten lassen sich besser vermarkten als positive.

Wenn du in ferne Länder reist, wirst du feststellen, dass es nicht gefährlich sein muss. Lass dir nicht von den Medien und ahnungslosen Menschen etwas einreden. Mache deine eigenen Erfahrungen! Wenn du die Augen offen hältst, dich der Umgebung anpasst und natürlichen Verstand mitbringst, ist die Welt so ungefährlich wie bei dir zu Hause.

Natürlich ist es in manchen Ländern gefährlich nachts auf die Straße zu gehen. Wenn du dich vorher erkundest und die Menschen bei deiner Unterkunft fragst, wirst du erst gar nicht in gefährliche Situationen kommen. Hostel sind oft in der Nähe der Innenstadt und damit im sicheren Bereich. Wenn du dich unwohl fühlst, lass es dir nicht anmerken und wirke stets selbstbewusst. Sei freundlich und halte immer ein Lächeln bereit. Die meisten Menschen wollen dir nichts antun, sie sind nur interessiert und sehen nicht jeden Tag einen Menschen mit deiner Hautfarbe, Haarfarbe oder Frisur.

Was ich auf meinen Reisen gelernt habe ist, dass die Menschen in armen Ländern sehr nett und hilfsbereit sind. Sie teilen gerne und sind an deinen Geschichten interessiert.

In der Ukraine trotz Krimkrise

Das Reisen in ein Land, in dem es vorher Konflikte gab, muss nicht gefährlich. Bei meiner Backpacking Reise im Sommer 2017 durch Osteuropa war ich in der Ukraine. Drei Jahre zuvor wurde überall in den Medien von der Krimkrise berichtet. Ich hatte mir die Hauptstadt Kiew angeschaut und von der Krise nichts mitbekommen. Bei einer zufälligen Unterhaltung im Bus mit einheimischen habe ich mehr erfahren: Den Menschen geht es nicht gut, die Wirtschaft läuft schlecht und die Preise sind seit der Krise stark angestiegen. Dennoch waren die Menschen nett und freundlich. War dies gefährlich oder habe ich mich unwohl gefühlt? Überhaupt nicht! Ich bin nachts durch die Straßen von Kiew gelaufen und habe mich sicher gefühlt.

Sonnenuntergang in Kiew (Ukraine)

Ein Jahr nach dem Putschversuch in der Türkei

Im Sommer 2016 gab es in der Türkei ein Putschversuch. Bei meiner Planung für die Backpacking Reise durch Osteuropa hatte ich dies nicht beachtet. Ausgerechnet ein Jahr danach war ich in Istanbul. Als ich in der Nacht angekommen bin, hatte ich mich schon gewundert, warum so viele Menschen mit Flaggen durch die Straßen gefahren sind. Bei meiner Besichtigungstour am nächsten Tag sind mir ebenfalls viele Menschen mit Flaggen aufgefallen. Da es für mich das erste Mal in der Türkei war, bin ich davon ausgegangen, dass dies normal wäre. Doch als ich Mitten im Tag auf einen großen Platz mit Ansprachen und Informationstafeln kam, wurde mir klar, was los ist. Auf Bildschirmen wurden Szenen vom Putschversuch ausgestrahlt und Bilder der Kämpfe gezeigt. Hatte ich dabei Angst? Nein, die Menschen waren friedlich und es gab keine Ausschreitungen.

Istanbul ein Jahr nach dem Putschversuch (Türkei)

Parade mit Panzern und Militär

Als ich im Sommer 2017 mit dem Nachtzug von Moskau nach Minsk gefahren bin, wusste ich noch nicht was mich erwartet. Kurz vor der Ankunft bin ich mit einer einheimischen ins Gespräch gekommen: Sie hat von einer großen Parade erzählt. Nach meiner Ankunft im Hostel habe ich eine kurze Recherche gemacht und von einer Parade am nächsten Tag in Minsk gelesen. Da meine Pläne flexibel waren, habe ich mich kurzerhand entschieden dieses Spektakel anzuschauen. Es war ein düsterer Tag mit Regenwolken und tausenden von Menschen auf der Straße – alle mit dem einem Ziel, zur Parade zu gehen. Kurz davor gab es eine Absperrung mit Kontrollpunkten. Auf einem Schild war abgebildet, dass große Kameras nicht erlaubt sind. Ich habe meine Spiegelreflexkamera im Rucksack verstaut und bin auf den Kontrollpunkt zugelaufen. Wie es kommen musste, wurde meine Tasche kontrolliert und meine Kamera entdeckte. Als ich versuchte auf Englisch zu erklären wurde ein Offizier herbeigerufen, der Englisch verstand. Er machte mir klar, dass große Kameras nicht erlaubt sind und ich den Bereich nicht betreten darf. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. So bin ich von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt gezogen und habe mein Glück versucht. Als dies nicht half, bin ich bei einem stur geblieben und habe etwas länger diskutiert. Als jemand anderes mit einer etwas kleineren Kamera durchkam, ist mir eine Idee gekommen. Die Größe war das Problem. Die Lösung dazu ist doch ganz einfach, dachte ich mir und habe das Objektiv von der Kamera geschraubt. Einer der Kontrolleure nahm das Objektiv und hat durchgeschaut, als hätte er noch sie so etwas gesehen. Die Einzelteile waren zwar immer noch groß, ich wurde aber endlich durchgelassen. Hatte ich dabei Angst? Nein, ich hatte mich so sehr auf die Parade gefreut. Im Nachhinein ist mir erst ein mulmiges Gefühl gekommen.

Als die Parade losging, war mir noch nicht ganz klar was mich erwartet. Es gab eine Ansprache und dann ging es schon los. Ich war erstaunt und konnte es kaum glauben. Es hat mich an die Bilder aus dem Geschichtsunterricht erinnert. Tausende Soldaten sind im Gleichschritt aufmarschiert. Ich bin weit vorne gestanden und in der Ferne ist Rauch aufgestiegen. Das Geräusch von Ketten war zu hören und der Boden fing an zu Beben. Riesige Kriegsmaschinen von Panzern bis hin zu Flugabwehrraketen wurden aufgefahren und sind nur wenige Meter von mir entfernt vorbeigerollt. In diesem Moment war ich aufgeregt. Ich hatte keine Angst, aber Respekt. Parallel dazu sind kurz über mir Helikopter und Düsenjets geflogen. Es hat sich angefühlt, was wäre man im Krieg. Die Menschen haben mit Fahnen geweht, große Augen gemacht und gestaunt. Bei der weiterreise habe ich am Bahnhof von einem einheimischen mehr erfahren: Aus seiner Sicht ist das Ziel der Parade den Einwohnern zu zeigen, welche Macht Weißrussland hat. Als ich bei der Zugfahrt über das Erlebte nachdachte, ging mir ein Schauer über den Rücken. Die Parade war eine Feier zur Unabhängigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich dachte mir nur: Zum Glück hat keiner gefragt, aus welchem Land ich komme. Meine Antwort wäre Schweiz gewesen, neutraler geht es nicht.

Parade zum Tag der Unabhängigkeit in Minsk (Weißrussland)

8 Jahre nach der Unabhängigkeit im Kosovo

Im Sommer 2016 bin ich an einem sonnigen Tag mit dem Bus in Pristina, der Hauptstadt von Kosovo angekommen. Auf dem Weg zum Hostel kam von einem einheimischen ein dummer Kommentar, weil ich mit dem Smartphone navigierte. Es fühlte sich unfreundlich an und mein erster Eindruck war nicht besonders gut. Doch als ich am nächsten Tag Pristina erkundete, über die Wochenmärkte schlenderte und mich in Seitenstraßen verirrte, bekam ich wieder einen positiven Eindruck. Wie wir sehen können, sollten wir uns nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen.

Markt in Pristina (Kosovo)

Ein Straßenverkäufer in Jerusalem

Als ich im Spätjahr 2017 durch die engen Gassen von Jerusalem lief, gab es einen Stand mit einem T-Shirt, auf dem PikaJew war. Ich fand es witzig und habe davon ein Foto gemacht. Der Verkäufer Frage, woher ich komme und meine Antwort war Deutschland. Daraufhin ist er verrückt gedreht, hat über meine Landsleute geschimpft mit zwei Fingern einen Bart gezeigt. Ich dachte mir nur, es wird Zeit weiterzugehen.

PikaJew in Jerusalem (Israel)

Zimmernachbarn der ungewöhnlichen Art

Eine ungewöhnliche, aber nette Begegnung hatte ich im Hostel in Minsk, Weißrussland. Ich habe das Zimmer unter anderem mit einem etwas älteren Mann aus Russland geteilt. Er konnte kein Englisch und ich kein Russisch. Mit der Hilfe von Google Translate konnten wir uns unterhalten. Das Witzigste an diesem Abend war ein Video von ihm: Wie es sich in Russland gehört wird im Winter in Eiswasser gebadet. Er zeigte mir ein Video, wie er durch den Schnee stampfen und in einen Teich gehüpft ist – wir mussten nur lachen.

Auf dem Zimmer war noch eine weitere Person. Er sah aus, was wäre er ein Mitglied von einer Biker Gang. Von oben bis unten Tätowiert, grimmiges Gesicht und Rocker Kleidung. Wir sind ins Gespräch gekommen und es hat sich herausgestellt, dass er ebenfalls aus Russland war. Er wirkte total freundlich und super nett. Diese Begegnungen haben gezeigt, dass man über das Aussehen nicht sofort auf den Charakter schließen muss. Im ersten Moment hatte es sich komisch gefühlt, aber sobald man sich länger unterhält, sind es die normalen Menschen wie du und ich.

Weiter geht es mit der Frage: Musst du Fremdsprachen lernen?

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