Reiserucksäcke gibt es wie Sand am Meer. Meinen ersten habe ich im Laden von einem kompetenten Verkäufer erworben. Er hat von seinen Erfahrungen durch Neuseeland berichtet und wollte mir den perfekten Rucksack verkaufen. Nach mehreren Reisen und eigenen Erfahrungen musste ich feststellen, dass er mir den größten, schwersten und teuersten verkauft hat. Das ist auch kein Wunder, denn der Verkäufer verdient an der Provision. Nach dieser Erfahrung habe ich mir geschworen, dass dies anderen Reisenden nicht passieren soll.

Warum ein Rucksack und keinen Koffer?

Bei uns in Deutschland und in vielen Urlaubsländern sieht man oft Menschen mit Koffer. Dieser lässt sich leicht hinterher ziehen und alles ist ordentlich verpackt. Es gibt fast überall Rolltreppen und Aufzüge und auf der Straße lässt er sich auch leicht rollen. Nun stell dir vor du bist in einem Land unterwegs, in dem die Infrastruktur nicht so gut ausgebaut ist. Du musst Treppen nehmen, in hohe Züge steigen und die Straßen bestehen aus Schlaglöchern. Abseits vom Touristenpfad findest du nur noch steinige Straßen. Willst du dann noch mit einem Koffer reisen?

Wie groß soll der Reiserucksack sein?

Größer ist besser, nicht wahr? Umso mehr du reist und Erfahrungen sammelst, um so weniger Klamotten und Ausrüstung brauchst du als im Alltag Zuhause. Damit beim ersten Trip auch alles in den Rucksack passt, wirst du vermutlich den größten kaufen. Über das Gewicht wirst du dir auch noch keine Sorgen machen, da du ihn nur von Unterkunft zu Unterkunft schleppen musst. Das hat zumindest bei meinen ersten Reisen zugetroffen. Seitdem mich das Reisefieber gepackt hat, bin ich in Länder abseits vom Touristenpfad gereist. Dabei habe ich immer mehr auf das Gewicht geachtet und bin mit weniger auskommen.
Meine Empfehlung ist nicht den Größen zu nehmen. Ein Rucksack mit 40 bis 60 Liter reicht vollkommen aus und hat die optimale Größe. Es wird dir am Anfang schwerfallen, dass du nicht alles rein bekommst. Denke nach und packe nur das ein, was du wirklich brauchst. Nach einer Reise wirst du feststellen, dass du es tatsächlich nicht gebraucht hast. Hier ist meine Packliste und Tipps, wie du richtig packst und Platz sparst.

Top Loader oder Front Loader?

Top oder Front Loader beschreibt, wie ein Reiserucksack beladen wird. Jeder Reiserucksack ist ein Top Loader, das heißt, dass du ihn oben aufmachst und dort belädst. Es gibt auch Front Loader, die sich zusätzlich vorne mit einem Reißverschluss öffnen lassen. Dies hat den Vorteil, dass du ihn einfacher beladen kannst, ähnlich wie ein Koffer. Der Nachteil ist, dass durch den zusätzlichen Reiseverschluss der Rucksack schwerer wird. Die klassischen Modelle der großen Hersteller sind Front Loader, die Tendenz geht aber in Richtung Ultraleicht Rucksäcke im Top Loader Format. Warum sollst du 3 kg für einen Front Loader tragen, wenn ein Top Loader 1 kg weniger wiegt?

Ist das Tragesystem wichtig?

Die verschiedenen Hersteller haben unterschiedliche Tragesysteme. Es geht von der einfachen Polsterung bis hin zu ausgeklügelten Belüftungssystemen. Wenn du den Rucksack zum Wandern oder für mehrere Stunden auf dem Rücken hast, ist ein gutes Tragesystem wichtig. Ansonsten wirst du sehr stark schwitzen und der Rucksack wird unbequem und drückt. Meine Empfehlung ist auf Hersteller mit Namen zurückzugreifen wie Deuter oder Osprey. Diese konzentrieren sich darauf hohe Qualität zu liefern und testen die Rucksäcke in der Praxis.

Brauchst du eine Regenhülle?

Die Reiserucksäcke sind wasserdicht gegen leichten Regen. Falls es länger oder stark regnet, ist eine Regenhülle zu empfehlen. Diesen ziehst du über den kompletten Rucksack und er sorgt dafür, dass kein Wasser durch die Nähte und Reißverschlüsse geht. Wenn du planst in den Bergen zu wandern, sollte er immer griffbereit sein.
Die Regenhülle eignet sich auch als zusätzlichen Schutz für den Transport, wenn er zum Beispiel auf ein Auto oder Bus gespannt wird. Als Aufgabegepäck am Flughafen ist er auch ein guter Ersatz für den Flugsack. Des Weiteren sorgt er dafür, dass keiner etwas aus den Taschen klauen kann.

Regenhülle für Rucksäcke

Brauchst du einen Flugsack und lohnt er sich?

Ein Flugsack schützt deinen Rucksack, wenn dieser über die Rollbänder Am Flughafen zum Flieger transportiert wird. Es besteht die Gefahr, dass die Bänder und Schnallen hängen bleiben und du am Reiseziel ohne Rucksack dastehst. Des Weiteren wird er vor Schäden geschützt, die durch das rumschmeißen beim Einladen entstehen können. Ein Loch im Rucksack oder eine kaputte Schnalle können nervig sein. Der Nachteil von einem Flugsack sind das zusätzliche Gewicht und der Platz. Bei meinen ersten Reisen hatte ich einen Flugsack dabei. Als ich angefangen habe Gewicht und Platz zu optimieren, kam mir die Idee die Regenhülle als Ersatz für den Flugsack zu nehmen. Seitdem hat dies auch immer funktioniert. Auf dem Gepäckband nach der Ankunft ist mir aufgefallen, dass viele ihren Rucksack ohne einen zusätzlichen Schutz aufgegeben haben. Das Risiko und die Gefahr muss jeder selber einschätzen. Meine Empfehlung ist die Regenhülle zu verwenden und dass es sich nicht lohnt, extra einen Flugsack zu kaufen.

Welchen Rucksack hast du?

Ich hatte früher immer schon einen Tagesrucksack von Deuter. Sie sind sehr bequem und man spürt sie kaum auf dem Rücken. Die Wahl für meinen ersten Reiserucksack ist auch auf Deuter gefallen. Wie eingangs beschrieben wurde mir der größte aufgeschwatzt und ich hatte mir den AirContact 75+10 geholt. Dies bedeutet, dass er 75 Liter Fassungsvermögen hat und nochmal zusätzlich 10 Liter, weil der Deckel höhenverstellbar ist. Es ist ein Front-Loader und wiegt 3 kg. Mittlerweile bin ich auf den leichtgewichtigeren Act Light 40+10 umgestiegen. Dies ist ein Top-Loader und wiegt nur 1,8 kg. Damit habe ich 1,2 kg gespart und das Fassungsvermögen reicht ebenfalls aus.

Er hat folgende Eigenschaften:

  • Auf der Außenseite am Deckel ist für den schnellen Zugriff ein Fach mit Reißverschluss.
  • Auf der Innenseite am Deckel ist ein Fach mit Reißverschluss, um Wertgegenstände zu verstauen.
  • Innerhalb vom Rucksack ist ein Innenfach für Unterlagen oder einen Laptop. Damit lässt sich ein vergleichsweise schweres Laptop nah am Körper tragen und fällt weniger ins Gewicht.
  • Im unteren Bereich ist ein Reißverschlussfach für den schnell Zugriff von größeren Sachen.
  • Im hinteren Bereich auf dem Rucksack ist ein Spannnetz, um schnell eine Jacke zu verstauen.
  • Auf der linken und rechten Seite sind Spannfächer für Getränkeflaschen.
  • Auf den Außenseiten sind Schnallen und Riemen angebracht, um zusätzliches Gepäck zu befestigen.

Der Act Light 40+10 geht als Handgepäck in Flügen mit Ryanair, Eurowings und Co. durch. Damit sparst du dir das Geld für das Aufgabegepäck und er wird nicht beschädigt oder verloren gehen.

Mein aktueller Reiseruck, der Deuter Act Light 40+10

 

Mein erster Reiserucksack, der Deuter AirContact 75+10

Wie trägst du den Reiserucksack am bequemsten?

Einen Reiserucksack trägst du mit der Hüfte und nicht mit den Schultern. Angenommen dein voller Rucksack wiegt 12 kg, das entspricht einer vollen Sprudelkiste. Wenn du ihn nur auf den Schultern trägst, wird er nach einer Stunde anfangen weh tun. Deshalb haben Reiserucksäcke einen Hüftgurt, der optimal gepolstert ist.  Dieser muss möglichst weit oben sitzen, damit das Gewicht auf den Hüften verteilt wird. Denn hier lasten etwa 80 % vom Rucksackgewicht. Deine Schultern halten den Rucksack in Position und der Brustgurt verhindert das hin und her wackeln.

Wie verteilst du die Last in deinem Rucksack?

Die Theorie ist ganz einfach: Umso näher du Sachen am Körper trägst, umso weniger fallen sie ins Gewicht. Warum das so ist, kannst du einfach testen. Nehme eine volle Getränkeflasche und halte sie mit ausgestrecktem Arm von deinem Körper weg. Wie lange kannst du sie zu halten? Nicht lange! Nun hebe die Getränkeflasche nah an deinen Körper. Wie lange kannst du sie halten? Deutlich länger!

Mit einer Waage findest du die schwersten Gegenstände. Bei mir ist es das MacBook mit fast 1,5 kg. Dieses trage ich sehr nah am Rücken in der Innentasche meines Deuter Rucksacks. Der Kulturbeutel ist in der Regel auch immer schwer und sollte ebenfalls sehr nah am Rücken sein. Meine Flip-Flops sind leicht und daher weit vom Rücken entfernt.

Bei mir ist die Verteilung nach Gewicht zu einer Gewohnheit geworden. Wenn ich nur eine halbe Stunde von Hostel zu Hostel Reise ist das packen nicht wichtig. Bei mehreren Stunden oder dem wandern in den Bergen ist das packen und die Gewichtsverteilung sehr wichtig. Wie immer musst du deine eigenen Erfahrungen machen, aber du wirst es selber spüren, dass sich eine gute Gewichtsverteilung besser anfühlt.

Im Bild ist dies nochmal zu sehen.

  • Der rote Bereich ist für die schweren Gegenstände.
  • Der grüne Bereich ist für die restlichen Gegenstände, an die du selten muss.
  • Der blaue Bereich ist für die Gegenstände, die du im Laufe des Tages benötigst wie Sonnenbrille und Essen.

Die optimale Lastenverteilung in einem Reiserucksack